Umweltauswirkungen von Textilfarben in der Mode

Paulina Kulczycki

Wenn es um die negativen Auswirkungen der Modeindustrie auf die Umwelt geht, kommen uns zunächst einmal Überproduktion, Müll, CO2-Emissionen, Pestizide auf Baumwollplantagen und von Polyester und Mikroplastik verschmutzte Meere in den Sinn. Dabei übersehen wir häufig einen ganz essentiellen Aspekt der Mode, der gleichzeitig wohl die fatalsten Auswirkungen auf unsere Umwelt hat: Textilfarben. Was die drei größten Umweltauswirkungen von Textilfarben in der Mode sind und welche umweltfreundlicheren Alternativen es gibt, erfährst du in diesem Artikel.

Hier die drei größten Umweltauswirkungen von Textilfarben in der Mode auf einen Blick:

  1. Wasserverschwendung
  2. Chemikalien im Grundwasser
  3. Schwermetalle

Umweltauswirkungen von Textilfarben in der Mode

Wir alle möchten mehr Farbe in unserem (grauen) Alltag – und daher wollen wir auch mehr Farbe in unserer Garderobe sehen. Der Aspekt der Farbe ist daher einer der wichtigsten Faktoren, der unsere Kaufentscheidungen von Mode antreibt. Schließlich ist Farbe nicht nur ein Mittel zum Selbstausdruck und zur Lebensfreude, sondern es ist auch das erste, was wir an einem Kleidungsstück wahrnehmen. Noch bevor wir ein Teil berühren oder anprobieren können, um dessen Materialbeständigkeit und Sitz zu überprüfen, fällt uns die Farbe auf.

Farbenfrohe Kleidung hat jedoch einen sehr hohen Preis – nicht unbedingt für unseren Geldbeutel, sondern vielmehr für unsere Umwelt. Denn die Modeindustrie ist für 20% der weltweiten Wasserverschmutzung verantwortlich. Damit tragen Färbetechniken so stark zur Klimakrise und Umweltverschmutzung bei, dass unsere Liebe zur Farbe, die Welt nicht etwa bunter macht, sondern vielmehr trüber, giftiger und verschmutzter.

1. Wasserverschwendung

Eine der größten Umweltauswirkungen von Textilfarben in der Mode ist die Verschwendung wertvollen Trinkwassers. Nach Angaben der Ellen MacArthur Foundation verbraucht die Modeindustrie jährlich rund 93 Milliarden Kubikmeter Wasser – genug, um 37 Millionen olympische Schwimmbecken zu füllen. Färbeverfahren in der Mode gewinnen also die Goldmedaille für Wasserverschwendung! Damit gehören Färbeprozesse zu den umweltschädlichsten und energieintensivsten Prozessen, die bei der Herstellung unserer Kleidung zum Einsatz kommen. Als Beispiel, schauen wir uns die Produktion einer Jeans an.

Nach Angaben der Vereinten Nationen werden für die Herstellung einer einzigen Jeans etwa 7500 Liter Wasser verbraucht – vom Anbau der Rohbaumwolle bis zum fertigen Produkt. Und damit die Jeans ihre blaue Farbe erhält, wird das Garn oder der Stoff mehrfach in riesige Bottiche mit synthetischem Indigofarbstoff getunkt. Nach dem Färben wird der Jeansstoff mit weiteren Chemikalien behandelt und gewaschen, um ihn weicher und strukturierter zu machen. Um den verblassten "used" Look zu erhalten, sind sogar noch mehr chemische Bäder erforderlich, bei denen Säuren, Enzyme, Bleichmittel und Formaldehyd eingesetzt werden.

Aber Jeans sind natürlich nicht die alleinigen Umweltverschmutzer in der Modeindustrie. Konventionelle Verfahren der Textilverarbeitung verwenden bis zu 2000 Chemikalien – darunter lassen sich oft giftige Stoffe wie Quecksilber, Formaldehyd oder Chlor finden. Ma Jun, einer der führenden Umweltschützer Chinas, sagt:

"Wir wissen, dass die Modeindustrie jede Saison neue Farben hervorheben muss. Jedes Mal, wenn eine neue Farbe auf den Markt kommt, werden mehr und neue Arten von Chemikalien, Farbstoffen, Pigmenten und Katalysatoren verwendet."

 

2. Chemikalien im Grundwasser

Sobald die Fabriken mit den wasser- und energieintensiven Färbeprozessen fertig sind, ist die günstigste Methode, die unbrauchbaren, chemikalienbelasteten Abwässer zu entsorgen, sie in nahe gelegene Flüsse und Seen zu leiten. So fließt dickes, tintenähnliches Wasser durch die Flüsse in der Umgebung von Bekleidungsfabriken in Asien – eine giftige Suppe aus Chemikalien, die von den synthetischen Färbeprozessen der Modeindustrie zurückgelassen wird und in die Grundwassersysteme der Erde sickert.

Und obwohl nicht alle verwendeten Chemikalien und Lösungsmittel gefährlich sind, wurden 72 toxische (und unter anderem auch lebensgefährliche) Chemikalien ermittelt, die für unser Ökosystem eine Bedrohung darstellen. Außerdem reichern sich die Farben in den Gewässern so stark an, dass das Licht nicht mehr an die Oberfläche dringen kann, was die Fähigkeit der Pflanzen zur Photosynthese beeinträchtigt. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, was zum Tod von Wasserpflanzen und -tieren führt.

 

3. Schwermetalle

Als ob die toxischen Chemikalien nicht schon schlimm genug wären, werden daüberhinaus gefährliche Schwermetalle in den Färbeprozessen verwendet, die dann durch die Bewässerung von Nutzpflanzen oder sogar Obst und Gemüse, in unsere Nahrungskette gelangen. So reichern sich Cadmium, Blei und Kupfer, die in Farbstoffen und Pigmenten von Kleidung stecken, in unserem Körper an und können Organe sowie das zentrale Nervensystem schädigen.

Schwermetalle können aber auch das Risiko verschiedener Krebsarten, akuter Erkrankungen und Hautprobleme erhöhen. So können Chrom VI, Quecksilber und Cadmium zum Beispiel Krebs erzeugen. Der Einsatz dieser Schwermetalle ist in der EU zwar mit strikten Auflagen versehen, doch global betrachtet stellen Schwermetalle in der Mode eine Bedrohung für die Gesundheit des Menschen dar.

 

Umweltfreundlichere Alternativen

Die umweltfreundlichere Alternative ist es, Kleidung nur mit biobasierten Farben zu färben. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Naturfarben auf der Basis von Pflanzen, Algen und sogar Bakterien. Naturfarben sind zwar weniger knallig, dafür aber weitaus umweltschonender. Anderenfalls können Farbstoffe auch aus Nebenerzeugnissen wie Melasse gewonnen werden. In jedem Fall sind Färbeverfahren ohne Chemikalien, geschlossene Wasserkreisläufe und das Recycling von Abwasser empfehlenswerte Alternativen für (Slow) Fashion Brands, um die drei größten Umweltprobleme von Färbeprozessen der Modeindustrie zu vermeiden.

Auch aus diesem Grund färben wir bei SANVT alle Stoffe ohne schädliche Chemikalien oder Schwermetalle. Darüber hinaus verfügen unsere Anlagen über geschlossene Wasserkreisläufe und recyceln 99,9% des anfallenden Abwassers. Mehr über unsere Initiativen für mehr Nachhaltigkeit in der Mode, erfährst du hier.