Die Bedeutung und Geschichte von Fast Fashion

Michael Wilkins

Der Begriff „Fast Fashion“ ist vielleicht nicht allen bekannt. Schließlich müssen viele von uns nicht zweimal darüber nachdenken, ob sie in den beliebtesten Kleidungsgeschäften einkaufen gehen, da sie nicht nur erschwinglich, sondern auch leicht zugänglich sind. Die neueste Mode ist quasi immer auf Abruf erreichbar. Es besteht kein Zweifel daran, dass wir uns gut fühlen, wenn wir gerade ein neues Kleidungsstück zum Schnäppchenpreis gekauft haben, das uns beim Ausgehen neues Selbstvertrauen gibt.

Aber schauen wir mal genauer hin! Fast Fashion bezieht sich auf die Massenproduktion von modischer, günstiger und typischerweise qualitativ minderwertiger Kleidung. Bekannte Namen in der Fast-Fashion-Branche sind Primark, Shein, H&M und Bohoo, aber es gibt natürlich noch viele, viele mehr.

Bei dem Begriff Fast Fashion schwingen unterschiedliche Assoziationen mit. Zum einen ist es positiv in dem Sinne, dass es für einkommensschwache Gemeinschaften erschwinglich und zugänglich sein kann. Oder weil es den Menschen ein kreatives Ventil gibt, sich auszudrücken und sich wohl in ihrer Haut zu fühlen. Auf der anderen Seite scheinen immer mehr Leute die negative Seite von Fast Fashion zu sehen und einige boykottieren sie sogar. Auf die Gründe dafür gehen wir am Ende des Beitrages ein.

Wie funktioniert Fast Fashion?

Heutzutage werden jährlich satte 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Diese Zahl ist so groß, dass man sich diesen Berg an Kleidungsstücken gar nicht vorstellen kann. Der Fokus von Fast Fashion liegt auf Bequemlichkeit, Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit. Letzteres bedeutet, dass die Kosten wo immer möglich reduziert werden. Ein Beispiel dafür, wie dies erreicht wird, ist die Auslagerung der Produktion in Länder, in denen viele Menschen Arbeit benötigen und wo die Arbeitskosten zufällig am niedrigsten sind. Bangladesch, China, Indien und Vietnam sind einige der bevorzugten Länder der Fast Fashion Industrie für die Herstellung von Kleidung.

Marken bekommen ihre Ideen für Trends von Laufstegen und Prominenten, die sie dann schnell genug in neue Kleidung umsetzen, um der Nachfrage der Menschen gerecht zu werden. Der Fokus liegt dabei auf der schnellen Produktion großer Mengen an Kleidung, um Trends zu nutzen, bevor sie schon wieder Schnee von gestern sind.

Aber natürlich war es nicht immer so.

Heutzutage werden jährlich 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert.

Die Geschichte von Fast Fashion

Vor der industriellen Revolution und der Erfindung der Nähmaschine war Mode langsam. Eigene Kleidung wurde selbst hergestellt und bei Bedarf repariert. Kleidungsstücke wurden oft individuell zugeschnitten und sie waren darauf ausgelegt ein Leben lang zu halten. Das wäre heute kaum vorstellbar! Schließlich ging der Trend immer mehr in die Richtung Kleidung aus modischen Gründen zu tragen und nicht wegen praktischer Eigenschaften wie der Haltbarkeit.

Das Konzept der Fast Fashion begann mit der Massenproduktion billiger Qualitätskleidung, wobei der Begriff in den 1990er Jahren offiziell von der New York Times geprägt wurde, wo sich auf Zaras neues beschleunigtes Produktionsmodell bezogen wurde. Zara ließ sich für Designs beispielsweise von der Fashion Week inspirieren und brachte diese schnell in die Läden, wo sie von jedem zu erschwinglichen Preisen gekauft werden konnte.

Was ist das eigentliche Problem an Fast Fashion?

Fast Fashion kann oberflächlich betrachtet unschuldig erscheinen, aber es gibt viele versteckte Probleme. Die meisten Käufer sind sich heutzutage bereits bewusst, dass die Branche auf die eine oder andere Weise schädlich ist, aber das genaue Ausmaß ist nicht allgemein bekannt.

  • Ausbeutung von Arbeitern: Textilarbeiter arbeiten oft unter unsicheren – und ja, sogar tödlichen – Bedingungen, mit extrem niedrigen Löhnen, die nicht annähernd existenzsichernd sind, und ohne grundlegende Menschenrechte. Der Schutz der Arbeitnehmerrechte ist praktisch nicht existent, aber Marken nutzen die Vorteile des Outsourcings in andere Länder, um so viele Kosten wie möglich zu senken. Beispielsweise sind einige der weltweit führenden Modemarken an der Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen der Uiguren in China mitschuldig. In einigen Fällen wird sogar Kinderarbeit unterstützt.
  • Verschmutzt den Planeten: Die Produktion übermäßiger Mengen an Kleidung zu erschreckend günstigen Preisen führt zu einer Wegwerfkultur, da die Kleidung aufgrund der Wahl billiger, qualitativ minderwertiger Materialien nicht für eine lange Lebensdauer gedacht ist. Die Menge an weggeworfener Kleidung hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und liegt im Durchschnitt bei nur 7 Tragevorgängen pro Kleidungsstück. Und wir haben noch gar nicht angefangen, über Mikroplastik zu sprechen. Lies hier mehr über diese winzigen Plastikmonster und andere Umweltauswirkungen von Fast Fashion.
  • Psychischer Druck: Ständig neue Styles auf dem Markt (Fast Fashion veröffentlicht im Durchschnitt wöchentlich eine neue Kollektion) fördern eine Überkonsum-Mentalität, die den Menschen das Gefühl gibt, dass sie immer mehr Sachen brauchen, um sich wohlzufühlen. Einige entwickeln sogar eine Art Sucht durch sofortige Befriedigung und die Freisetzung von Dopamin. Ganz zu schweigen davon, dass umweltfreundlichere Käufer beim Einkauf von Fast Fashion Angst um die Umwelt verspüren können.
  • Greenwashing: Als ob das nicht besorgniserregend genug wäre, tun Marken oft alles, um ihre Lieferkette und Produktionsprozesse zu verbergen und versuchen, ein nachhaltiges oder sogar ethisches Image zu vermitteln. Ein kürzlich erschienener Bericht der Changing Market’s Foundation ergab, dass fast 60 % der Umweltaussagen innerhalb der EU von bekannten Modemarken irreführend sind (96 % im Fall von H&M!). Einige Modemarken versuchen vielleicht, ein feministisches Markenimage zu erlangen, aber sie teilen nicht mit, welche Schritte sie unternehmen, um die Sicherheit ihrer Textilarbeiter zu gewährleisten, die zu 80 % Frauen sind.
  • Begünstigt die Ultrareichen: Obwohl Marken mitschuldig daran sind, dass Fabrikzulieferer ihren Arbeitern keinen existenzsichernden Lohn zahlen, beschäftigt die Fast-Fashion-Industrie einige der reichsten Menschen der Welt – viele von ihnen Multimilliardäre.

Bangladesch, China, Indien und Vietnam sind einige der bevorzugten Länder der Fast Fashion Industrie für die Herstellung von Kleidung.

Von den 1800er Jahren, als die Menschen noch gezwungenermaßen ihre Kleidung selbst nähen mussten, bis heute, wo modische Kleidung für jeden schnell zugänglich ist, hat sich die Modeindustrie beschleunigt und wurde schädlich und ausbeuterisch. Glücklicherweise gibt es ein zunehmendes Interesse an nachhaltigen Modemarken, die die Dinge anders angehen und versuchen die Mode wieder zu verlangsamen.

Wir bei SANVT streben danach, Teil einer Bewegung zu sein, die nicht dem Trend der Fast Fashion folgt. Unsere Kleidung ist:

  • Hergestellt von Schneidern und Schneiderinnen in der EU
  • Hergestellt aus hochwertigen, nachhaltigen Stoffen
  • Auf Langlebigkeit ausgelegt, in zeitlosen Stilen
  • Klimaneutral, was durch Kennzeichnung transparent nachvollziehbar ist

Hier kannst du mehr über unsere Firmenphilosophie nachlesen und wie wir etwas verändern wollen.